Niederdeutsch wird linguistisch durch die Benrather Linie vom Mittel- und Oberdeutschen Sprachraum abgetrennt.
Diese sogenannten „Lautverschiebungsisoglossen“* verbildlichen einen historischen Lautwandel. Die heutige Forschung geht mittlerweile davon aus, dass „keine eindeutigen Grenzziehungen möglich“** sind. Der niederdeutsche Sprachraum ist außerdem nicht so einheitlich wie er auf den ersten Blick scheint, denn das Niederdeutsche kann man in erstaunlich viele regionale Dialekte unterteilen.***
Eines der wesentlichen Merkmale des Niederdeutschen und gleichzeitig der größte Unterschied zu Hochdeutsch ist die Tatsache, dass das Hamburgische als Teildialekt des Niederdeutschen „von der zweiten oder hochdeutschen Lautverschiebung, die ungefähr im 6. Jahrhundert n. Chr. einsetzte, nicht erfasst wurde.“****
Die zweite Lautverschiebung hatte Einfluss auf die Aussprache einiger Laute. Insbesondere die Phonologie der Konsonanten „p, t, k (stimmlose Verschlusslaute)“, die „im Oberdeutschen und Mitteldeutschen“ Sprachraum „zu f / pf, s / z, ch (Reibelaute)“ wurden.*****
Als relativ kleines Sprachgebiet konnte sich das Hamburgische durch bestimmte lexikalische Besonderheiten außerdem von anderen niederdeutschen Dialekten abspalten und blieb einige Jahrhunderte lang erhalten, manche sagen 'bis heute'´. Doch wer spricht heutzutage noch Hamburgisch wie zu Großmutters Zeiten?
Bestimmte Begriffe werden jedoch auch heute noch als typisch Hamburgisch bezeichnet. Lokale Begriffe sind heute wohl eher Digger, Knolle & Co. Solche Signalwörter könnten eine gute Methode sein, um auch kleine Sprachräume wie das Hamburgische zu identifizieren.
Fußnoten:
* Stellmacher, Dieter: 4.3. Neuniederdeutsche Grammatik. 4.3.1. Phonologie und Morphologie, in: Gerhard Cordes und Dieter Möhn (Hrsg.): Handbuch zur niederdeutschen Sprach- und Literaturwissenschaft. Berlin 1983, S. 239.
** Ebd.
*** Vgl. Ebd., S. 240.
**** Cyriacks, Hartmut und Peter Nissen: Sprachführer Plattdüütsch. Ein Lehr- und Lernbuch. In Zusammenarbeit mit dem Ohnsorg-Theater und der NDR Hamburg-Welle 90,3. 9. Auflage. Hamburg 2010, S. 12.
***** Ebd.
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